Wie lässt sich die Geschichte der Shoa so vermitteln, dass hinter historischen Zahlen und Ereignissen auch die Menschen sichtbar werden? Dieser Frage widmete sich am 12. Oktober der Fachtag in der Jüdischen Gemeinde Münster, bei dem die Vorstellung der neuen Bildungsmaterialien „Humans of the Holocaust“ von SABRA im Mittelpunkt stand.
“Humans of the Holocaust” besteht aus einem Kartenset mit 22 (Über-)Lebensgeschichten. Porträts und persönliche Erzählungen geben Menschen ein Gesicht, deren Erfahrungen von Verfolgung, aber auch von Überleben und dem Leben nach 1945 berichten. Begleitende Fragen und Hintergrundinformationen laden dazu ein, sich näher mit den Biografien zu beschäftigen. Das Material richtet sich unter anderem an Schulklassen ab 14 Jahren, an Gruppen zur Vor- und Nachbereitung von Gedenkstättenfahrten sowie an die Erwachsenenbildung. Es wurde von SABRA in Zusammenarbeit mit dem israelischen Fotografen Erez Kaganovitz entwickelt.
Nach der Begrüßung durch die Jüdische Gemeinde Münster ging es zunächst um die Gegenwart: Alexandra Tcherkasski stellte aktuelle Zahlen zu antisemitischen Vorfällen in Nordrhein-Westfalen vor und zeigte, an welchen Orten sich Antisemitismus äußert. Ludger Hiepel, Antisemitismusbeauftragter der Universität Münster, ergänzte um den Blick auf die Situation an Hochschulen.
Anschließend konnten Lehrkräfte und Multiplikator*innen die neuen Karten selbst erkunden, miteinander ins Gespräch kommen und Fragen stellen. Florian Beer von SABRA erläuterte den Hintergrund des Projekts und die Möglichkeiten, mit den Materialien zu arbeiten. Eine Führung mit Kantor Yotam Alon bot zudem Gelegenheit, die Synagoge und das Gemeindeleben näher kennenzulernen.



Besonders eindrücklich war die Begegnung mit Simone Pelikan im Rahmen des Formats „Zikaron BaSalon“. Sie erzählte vom Leben ihres Vaters Günther Pelikan, der die Shoa überlebte, nach Jahren in Israel in Münster eine neue Heimat fand und später lange Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Münster war. Seine Geschichte machte auf persönliche Weise deutlich, wie eng Vergangenheit, Erinnerung und Gegenwart miteinander verbunden sind.
Zum Abschluss diskutierten die Teilnehmenden, wie sich die Anregungen des Tages in Schule und Bildungsarbeit aufgreifen lassen. Dabei wurde deutlich: Gegen Antisemitismus einzutreten braucht Wissen, aber auch Haltung und die Bereitschaft, im Alltag Verantwortung zu übernehmen.
Wir danken allen Teilnehmer*innen für einen spannenden Tag mit anregenden Gesprächen, dem Kommunalen Integrationszentrum Münster für die Organisation und der Jüdischen Gemeinde Münster für die Gastfreundschaft und die kulinarische Verpflegung!
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Von links nach rechts: Jana Habig (Ruhr-Universität Bochum), Florian Beer (SABRA), Jana Lassen (Tikvah Institut), Marc Grimm (Bergische Universität Wuppertal)
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