Neue Lernmaterialien für Lehrkräfte gegen Antisemitismus

Vier Personen stehen in einem hellen Raum vor Bannern und einem Bildschirm und halten kleine Broschüren

Veröffentlichung und Vorstellung der VIMPLA‑Video‑Vignetten und Handreichungen zur Professionalisierung von Lehrkräften im Umgang mit Antisemitismus

Berlin/Wuppertal/Düsseldorf: Antisemitische Vorfälle gehören für viele Schulen in Deutschland zum pädagogischen Alltag. Lehrkräfte und andere pädagogische Fachkräfte stehen dabei vor der anspruchsvollen Aufgabe, in herausfordernden Situationen angemessen zu reagieren und gleichzeitig ihrem Bildungs- und Erziehungsauftrag gerecht zu werden. Hier setzt das Projekt VIMPLA (VideoVignetten zur multiperspektivischen Professionalisierung von Lehrkräften im Umgang mit Antisemitismus)an. 

Am gestrigen Mittwoch wurde dieses innovative, videobasierte Fortbildungsformat in der Jüdischen gemeinde Düsseldorf vorgestellt. Fünf animierte Video Vignetten zeigen konkrete schulische Situationen, in denen unterschiedliche antisemitische Vorfälle auftreten. Sie präsentieren bewusst keine idealtypischen Reaktionen, sondern eröffnen Lernräume, in denen pädagogische Handlungssituationen analysiert, reflektiert und diskutiert werden können. Ergänzt werden die Video-Vignetten durch wissenschaftlich fundierte Handreichungen für Moderierende und Dozierende von Lehrkräfteaus- und -fortbildungen, die inhaltlichen Hintergründe, didaktische Impulse und methodische Anregungen bereitstellen.

Hier geht es zu den Vignetten inklusive der Handreichung:

Dieses Projekt steht für etwas, das gerade in der aktuellen Situation dringend notwendig ist: Zusammenarbeit. Die Kooperation zwischen dem Tikvah Institut, der Bergischen Universität Wuppertal, der Ruhr-Universität Bochum und SABRA zeigt, dass wir gemeinsam etwas entwickeln können, das konkrete Wirkung entfaltet und Lehrkräfte in ihrem Alltag unterstützt. Gleichzeitig müssen wir sehr klar benennen, warum solche Materialien notwendig sind.

Wir befinden uns nicht mehr in einer Phase, in der wir vor einer möglichen Zunahme antisemitischer Einstellungen warnen müssen. Die Realität ist längst da. Antisemitismus ist für viele Jüdinnen und Juden in Deutschland wieder eine Alltagserfahrung geworden – im öffentlichen Raum, im privaten Wohnraum und auch in Schulen.

Seit dem 7. Oktober 2023 hat sich diese Realität nochmals deutlich verschärft. Für viele Jüdinnen und Juden ist ein Ausnahmezustand entstanden, der nicht wieder verschwunden ist. Bedrohung, Unsicherheit und die Frage, ob man die eigene jüdische Identität sichtbar machen kann, sind für viele zu einer dauerhaften Erfahrung geworden.

Gleichzeitig erleben viele Jüdinnen und Juden etwas sehr Schmerzhaftes: dass diese Situation in großen Teilen der Gesellschaft kaum noch wahrgenommen wird. Der Ausnahmezustand der einen Seite ist zur Normalität der anderen Seite geworden. Häufig erleben Betroffene nicht offene Ablehnung, sondern Gleichgültigkeit, Überforderung oder ein Wegschauen.

Gerade deshalb müssen wir sagen, was ist: Eine demokratische Gesellschaft kann es sich nicht leisten, dass Jüdinnen und Juden den Eindruck gewinnen, mit dieser Situation allein gelassen zu werden.

Das gilt besonders für Schulen. Lehrkräfte stehen vor schwierigen Situationen, oft ohne ausreichende Vorbereitung und ohne sichere Handlungsmöglichkeiten. Genau hier setzt VIMPLA an. Die Materialien liefern keine einfachen Antworten und keine vorgefertigten Reaktionen. Sie schaffen Räume, in denen konkrete Situationen analysiert, Perspektiven gewechselt und Handlungsmöglichkeiten entwickelt werden können.

Das ist ein wichtiger Schritt: Denn gegen Antisemitismus braucht es nicht nur Haltung, sondern auch Kompetenz. Es braucht Wissen, Reflexion und die Fähigkeit, in konkreten Situationen professionell zu handeln.

VIMPLA zeigt, dass trotz der schwierigen Lage Veränderung möglich ist – wenn Institutionen Verantwortung übernehmen und gemeinsam handeln. Aber diese Arbeit beginnt mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme.

Die Frage ist heute nicht mehr, ob wir handeln müssen. Die Frage ist, ob wir bereit sind, der Realität ins Auge zu sehen und daraus Verantwortung entstehen zu lassen.

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