Statement gegen die Diffamierung von ZeBa-Leiter Andreas Stahl

Modernes Bürogebäude mit weißen Fassadenlinien vor blauem Himmel, mit Menschen auf dem Vorplatz

Gemeinsame Stellungnahme von RIAS NRW, ADIRA und SABRA 

Mit Sorge blicken wir, die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Nordrhein-Westfalen (RIAS NRW), ADIRA (Antidiskriminierungsberatung und Intervention bei Antisemitismus und Rassismus) und SABRA (Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit, Beratung bei Antisemitismus und Rassismus), auf aktuelle Geschehnisse an der Universität Bielefeld.

Anlässlich eines Vortrags von Andreas Stahl, dem Leiter der Zentralen Beratungsstelle zu Antisemitismus an Hochschulen in Nordrhein-Westfalen (ZeBa NRW), am 11. Juni 2026 wurde eine gezielte Aktion gegen seine Person initiiert. In Plakaten und Aufrufen zu einer Kundgebung werden eine Sprache und Form gewählt, die den wissenschaftlichen Diskurs verlassen und stattdessen auf persönliche Herabwürdigung und bewusste Einschüchterung setzt. Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe stellen keine sachliche Auseinandersetzung mit seinen Positionen oder seiner Arbeit dar. Vielmehr wird versucht, ihn als Person durch unbegründete Anschuldigungen und Vorwürfe zu diskreditieren. Der Vorwurf der „Völkermordleugnung“ und die damit verbundene öffentliche Stigmatisierung überschreiten die Grenzen einer legitimen wissenschaftlichen und politischen Kontroverse um gewaltvolle Konflikte. Wer Personen auf diese Weise markiert, verfolgt nicht das Ziel eines offenen Austauschs von Argumenten, sondern bezweckt eine Verengung des Debattenraums.

Als Fachstellen der Beratung im Bereich Antisemitismus, der Antisemitismusprävention und -dokumentation ist es unser Ziel, über Antisemitismus, seine Erscheinungsformen und Wirkungsweisen zu informieren und zu diskutieren. Wenn Personen, die zu Antisemitismus forschen, beraten oder Bildungsarbeit leisten, öffentlich diffamiert werden, verhindert dies eine sachliche Auseinandersetzung mit Antisemitismus und verengt den Raum für wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Austausch. Solche Entwicklungen haben zudem Auswirkungen auf Betroffene von Antisemitismus. Sie können dazu führen, dass sie und Zeug*innen von antisemitischen Vorfällen sich weniger sicher fühlen ihre Erfahrungen zu benennen, öffentlich über sie zu sprechen und Vorfälle zu melden.

Wir erwarten von der Universität Bielefeld daher eine vernehmbare Positionierung gegen persönliche Diffamierungen und Einschüchterungsversuche im universitären Kontext. Hochschulen tragen Verantwortung für die Gewährleistung eines offenen Diskurses und für den Schutz der Meinungsfreiheit ihrer Angehörigen und Gäste. Dazu gehört auch, dort klare Grenzen zu ziehen, wo persönliche Herabwürdigung und öffentliche Stigmatisierung die sachliche Auseinandersetzung ersetzen.

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